Buch & Vinyl

Anmerkungen über Literatur und Musik

Anthony Horowitz – Das Geheimnis des Weißen Bandes

Im November  1890 betritt der Galerist Edmund Carstein, ein elegant gekleideter Mann mittleren Alters, die Wohnung des berühmtesten Detektivs seiner Zeit in der Baker Street 221b. Er bittet Sherlock Holmes um Hilfe, da er sich seit einiger Zeit von einem raubeinigen Mann verfolgt fühlt. Was die Sache für ihn besonders bedrohlich erscheinen lässt, ist die Tatsache, dass dieser Mann kein Unbekannter für ihn ist: Er kennt ihn von einem kürzlichen Aufenthalt in den Vereinigten Staaten von Amerika. Dort sei der vermeintliche Schurke nämlich Teil einer berüchtigten Bostoner Verbrecherbande gewesen, der Flat Cap Gang, an deren beinahe radikaler Auslöschung Holmes‘ neuer Klient einen bedeutenden Anteil hatte. Jedoch soll einer der Bandenmitglieder überlebt haben und es scheint, als sei dieser Carstein nach London gefolgt, um sich an ihm zu rächen.
Als Holmes und sein treuer Gefährte und Chronist Dr. Watson sich auf die Spur des mysteriösen Mannes heften, geraten sie in einen Sog der Gewalt und des Verbrechens, der selbst die kühnste Vorstellungskraft des Meisterdetektivs überschreiten und ihn bis ins Gefängnis bringen soll. Ein weißes Seidenband am Handgelenk eines zu Tode geprügelten Straßenjungen spielt dabei eine nicht unerhebliche Rolle …

 
Bei dem hier vorliegenden Buch handelt es sich um den ersten offiziellen und vom „Sir Arthur Conan Doyle Literary Estate“ genehmigten Roman eines neuen Falles des berühmtesten Detektivs der Welt. Dem vor allem für seine Jugendbuchreihen „Ein Fall für Alex Rider“ und „Die fünf Tore“ bekannten Autor Anthony Horowitz wurde dabei die Ehre übertragen, diesen zu verfassen. Und dies macht er, um es gleich vorneweg deutlich zu sagen, richtig gut.
Der Roman beginnt mit einem Vorwort, in dem ein gealterter und kurz vor seinem Tod stehender Dr. John Watson die Umstände der späten – weit über hundert Jahre nach den geschilderten Ereignissen – Veröffentlichung seiner Aufzeichnungen über diese „ungeheuerlichen und schockierenden Ereignisse“ plausibel und schlüssig erläutert.
Nach einem unterhaltsamen Beginn, in dessen Verlauf Holmes seinem alten Freund Watson auf die ihm unnachahmliche Art und Weise seine absolute  Meisterschaft auf dem Gebiet der Ratiocination demonstriert, entwickelt sich eine clever und absolut überzeugend konstruierte Erzählung mit zwei verschiedenen Handlungssträngen, die viel Raum für Spekulationen des Lesers offen lassen. Wie man es von einem Sherlock Holmes-Roman erwartet, spürt man auch hier auf jeder Seite die unvergleichliche Magie des viktorianischen Londons. Zum einen steigt man mit den beiden Protagonisten hinab in den Moloch des Verbrechens, der Opiumhöhlen und der verwahrlosten Straßenkinder, zum anderen bewegt man sich mit ihnen in den höchsten Kreisen der englischen Gesellschaft und kann sich dabei nie sicher sein, wo das wahre Böse lauert.

 
Der Schreibstil von Horowitz ist dabei sehr gelungen und überzeugend. Auch wenn er nicht auf jeder Seite des Buches immer nahezu perfekt nach dem großen Arthur Conan Doyle klingt, schreibt er doch so nah am Original wie das heutzutage, etliche Dekaden später, wohl noch möglich ist. Über einen ganzen Roman von knapp 350 Seiten den Tonfall unverwechselbar nach Doyle klingen zu lassen, dürfte sehr schwierig sein. Die kleinen Abweichungen in der Ausdrucksweise fallen aber auch gar nicht großartig auf, und wenn doch, so trüben sie den Lesegenuss in keiner Weise.
Verwunderlich und ein wenig befremdlich ist, dass der ansonsten als sehr nüchterner und doch eher gefühlskalter Analytiker bekannte Holmes im Laufe des Romans ungewohnte Emotionen zeigt, was jedoch in diesem spezifischen Fall den Ereignissen der Handlung geschuldet und somit durchaus glaubwürdig ist.
Auch sonst können beim besten Willen keine größeren negativen Eindrücke geschildert werden.

 
Insgesamt gefällt das Buch daher sehr gut und ist vorbehaltlos weiterzuempfehlen. Und zwar nicht nur Liebhabern der alten Geschichten um Sherlock Holmes, sondern jedem, der gerne gute Bücher liest. Die Erwartungen werden durch den geschickten Plot und die überraschende Lösung des Falles völlig erfüllt, es ist durchweg spannend und dank der guten Übersetzung auch sehr angenehm zu lesen. Horowitz hielt dem Druck der Erwartungen stand, kam mit den Anforderungen sehr gut klar und liefert hier eine erstklassige Arbeit ab.
Das schöne Äußere des Buches rundet den absolut positiven Gesamteindruck noch ab.

Originaltitel: The House Of Silk
Jahr: 2011
Verlag: Insel
Stil: Detektivgeschichte / Kriminalroman
Note:  9/10

Gewinnspiel von Blackfear – Endzeit!

Passend zur letzten Rezension (Tagebuch der Apokalypse) bin ich gerade auf folgendes gestoßen:

Auf Blackfear.de kann man im Rahmen des Blackfear – Xmas – Gewinnspiels ein für jeden Freund der Endzeit- / Zombiethematik interessantes Paket mit folgendem Inhalt gewinnen:

Das Brettspiel Pegasus Spiele Zombies!!! 2nd Edition, das PC-Spiel Metro 2033 und den Endzeitroman Nicht die Welt.

Da lohnt sich das Mitmachen doch auf jeden Fall!

Wer sein Glück versuchen will, sollte sich hierhin wenden:

Blackfear – X-Mas – Gewinnspiel

Viel Glück!

J.L. Bourne: Tagebuch der Apokalypse

Eine grippeähnliche Krankheit bricht im fernen China aus und verbreitet sich schlagartig über den ganzen Erdball bis nach San Antonio, wo der Protagonist des vorliegenden Romans „Tagebuch der Apokalypse“ von J.L. Bourne als Pilot der US Army lebt und arbeitet. Wird diese Epidemie zuerst unterschätzt, stellt sich sehr schnell heraus, dass es sich hierbei um keine normale Grippe handelt, sondern um eine apokalyptische Seuche, die Menschen in Untote verwandelt und über den Blutkreislauf, meist durch einen Biss, übertragen wird. Innerhalb kürzester Zeit wandelt der Großteil der Erdbevölkerung als lebende Leichen über den Planet und der Kampf der bisher verschonten Menschen ums Überleben gegen die Zombies und gegen sich selbst spitzt sich zu …

Wie der Name schon sagt, ist das „Tagebuch der Apokalypse“ tagebuchartig aufgebaut, d.h. man begleitet den namenlosen Ich-Erzähler und Tagebuchschreiber ab dem Ausbruch der Katastrophe durch sein weiteres Leben in einer zerstörten, postapokalyptischen Welt. Er lässt den Leser an seinen Gedanken teilhaben, stellt all seine Schritte und Überlegungen detailliert da  und beschreibt immer wieder den Zustand der Welt um sich herum. Dies geschieht alles in sehr unterhaltsamer Weise und  man ist, auch wenn diese Phrase sehr häufig bemüht wird, tatsächlich von der ersten Seite an gefangen.

Der Schreibstil ist eher schlicht, schnörkellos und locker („3. Januar / 6.09 Uhr. Heute Morgen rief meine Großmutter an, um Mama zu sagen, dass wir Krieg gegen China führen werden. Sie wollte mich zum Desertieren überreden. Ich soll nach Kanada abhauen. Ich glaube ernsthaft, dass Oma einen an der Waffel hat.“), die Geschichte spannend aufgebaut und die Atmosphäre des Romans schafft es spielend, eine richtig schön-gruselige Endzeitstimmung aufkommen zu lassen.

Leider bleiben die Charaktere der anderen Überlebenden, denen unser Protagonist im Laufe der Geschichte begegnet, teilweise sehr oberflächlich und zudem haben natürlich (fast) alle einen für das Überleben in der Postapokalypse nützlichen Beruf (Pilot bzw. Soldat, Ingenieur, Krankenschwester mit halbem Medizinstudium), was doch eher klischeehaft wirkt. Des Weiteren schleichen sich das ein- oder andere Mal kleinere logische Fehler ein. Dies ist aber alles nicht weiter schlimm, die Geschichte ist gut und spannend erzählt, und das ist genau dasjenige, was der Käufer einen Buches mit einem solchen Titel von der darin enthaltenen Geschichte erwartet.

Aufgrund der vielen Beschreibungen von Orten, Plänen, technischen Dingen oder Waffen kann es manchmal ein wenig verwirrend werden, aber vielleicht tun sich technisch besser beschlagene Leser damit leichter. Auf jeden Fall bekommt man zahlreiche Tipps rund um Ausrüstung, Ernährung, Überlebensstrategien, Waffen usw., die einem, sollte man sich einmal real in einem ähnlichen Szenario wiederfinden, durchaus nützlich sein können.

Was sehr schön ist und zusätzlich das Gefühl aufkommen lässt, dass man hier tatsächlich das Tagebuch eines Überlebenden in den Händen hält, sind solche Dinge wie Kaffeeflecken auf den Seiten, per Hand unterstrichene und eingerahmte Zeilen und Wörter, handschriftliche Skizzen und eingeklebte Fotos.

Für jeden Freund von Endzeit-, (Post-)Apokalypse- und/oder Zombie-Romanen ist dieses Buch durchaus zu empfehlen, man kann beim Kauf nicht viel falsch machen. Der Titel hält was er verspricht und auch wenn der Roman und die darin verarbeite Thematik nicht gerade sonderlich innovativ sind, macht es doch sehr viel Spaß, einem Mann zu folgen, der in einem postapokalyptischen Amerika inmitten von Zombiehorden versucht zu überleben und dabei seine Menschlichkeit zu bewahren. Angemerkt soll noch sein, dass die Geschichte mit einem (halb-)offenen Ende schließt, welches wie gemacht ist für eine Fortsetzung des Tagebuchs, die mittlerweile ja auch schon erschienen ist.

Originaltitel: Day By Day Armageddon
Jahr: 2010
Verlag: Heyne
Stil: Horror / Postapokalyptik / Zombieroman
Note:  7/10

 

Charles Bukowski: Pulp – Ausgeträumt

Nick Belane, ein alternder und heruntergekommener Privatdetektiv aus L.A., der mehr schlecht als recht seine wenigen Fälle löst, wird innerhalb kurzer Zeit für mehrere obskure Aufträge engagiert. So soll er für eine geheimnisvolle Lady Death herausfinden, ob es sich bei einem bestimmten Mann tatsächlich um den Schriftsteller Celine handelt, der eigentlich schon längst tot sein müsste. Ein Ehemann will Klarheit, ob ihm seine junge Frau Hörner aufsetzt. Zudem bekommt er es mit einer Außerirdischen zu tun, die auf penetrante Art und Weise einen Bestattungsunternehmer verfolgt und last but not least soll er den Red Sparrow beschaffen, der sich aber einfach nicht auffinden lässt, bis der rote Spatz schließlich ihn findet …

Bei Pulp handelt es sich, wie der Name schon sagt, um einen relativ kurzen Roman in Tradition der Pulp-Literatur. Grundgerüst des Romans ist eine typische Hardboiled-Privatschnüffler-Story im Stile eines Dashiell Hammet oder Raymond Chandler. Vermischt wird diese mit allerlei überdrehten phantastischen Elementen, in der sowohl Außerirdische, eigentlich bereits verstorbene Menschen als auch obskure Wesen ihren Platz darin finden. Und natürlich wird alles in der bekannten, skurril-schnoddrigen Art von Bukowski vorgetragen. Und diese Art, wie Bukowski zu schreiben pflegt, liebt man oder hasst man. Und ich liebe sie.

Daher ist es nicht weiter verwunderlich, dass mir der Roman sehr gut gefallen hat. Nick Belane ist ein absoluter Versager, nicht nur in seinem ganzen privaten Leben, sondern auch in seinem Beruf. Zuhause fühlt er sich in seinem Detektivbüro, in dessen Schreibtisch er immer eine Knarre und eine Flasche Wodka griffbereit hat, und natürlich in sämtlichen verrauchten und versifften Bars von L.A. Er selber hält sich aber natürlich für den kompetentesten Schnüffler der ganzen USA und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass er den Auftrag, den er eines Tages von der begehrenswerten und geheimnisvollen Lady Death erhält, mit großem Elan angeht. Er soll für sie den großen französischen Schriftsteller Celine ausfindig machen, der in letzter Zeit öfters in L.A. gesehen wurde, vor allem in einem bestimmten Buchladen. Das Problem dabei ist, dass Celine offiziell schon vor vielen Jahren für tot erklärt wurde und, sollte er doch noch leben, ein hundertjähriger Greis sein müsste. Der gesichtete Celine ist aber ein Mann in seinen besten Jahren …

Nach und nach wird er noch in weiteren Fällen um Hilfe gebeten, u.a. von einem Bestattungsunternehmer, der ein Problem mit einer Außerirdischen hat und von einem Ehemann, der sich von seiner wunderschönen jungen Frau hintergangen fühlt. Zudem soll er den Red Sparrow aufspüren. Doch was oder wer ist dieser rote Spatz?

Der Roman ist ziemlich schnell gelesen. Wie so oft bei Bukowski, fliegen die Worte nur so an einem vorbei und man tut sich schwer, das Buch wegzulegen. Einen Roman des Dirty Old Man zu lesen ist einfach sehr unterhaltsam, dabei macht es keinen Unterschied ob es sich um eine autobiographisch gefärbte Geschichte wie in „Der Mann mit der Ledertasche“ und „Das Schlimmste kommt noch oder Fast einen Jugend“ handelt oder um eine rein fiktive Story wie in „Pulp“. Der Stil Bukowskis ist angenehm zu lesen und macht einfach nur Spaß. Punkt!

Lieblingsstelle:

„Ich trank aus und ging. Auf der Straße war es erträglicher. Ich latschte vor mich hin. Etwas musste nachgeben, und das würde nicht ich sein. Ich zählte die Vollidioten, die mir begegneten. Nach zweieinhalb Minuten war ich bei fünfzig und verzog mich in die nächste Kneipe.“

Originaltitel: Pulp
Jahr: 2011 (Erstveröffentlichung: 1994 / Deutsche Erstveröffentlichung: 1995)
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Stil: Detektivroman
Seitenzahl: 191
Note:  8/10

Dean R. Koontz: Unheil über der Stadt

Ärztin Jenny Page fährt zusammen mit  ihrer jüngeren Schwester Lisa in ihr Haus in ihrer neuen Heimatstadt, in der sie bereits seit ein paar Jahren wohnt. Bereits auf dem Weg dorthin bemerken sie, dass es doch recht still ist auf den Straßen des Ortes, keine Menschenseele ist zu sehen. Sie denken sich nicht viel dabei, was sich jedoch abrupt ändert, als sie bei ihrer Ankunft die Haushälterin leblos auf dem Boden in der Küche vorfinden. Der Körper vollständig von gleichmäßigen Prellungen überseht, aufgequollen,  dunkelverfärbt …  Als sie kurze Zeit später auch noch den einzigen Polizisten im Ort, Paul Henderson, in ebensolchem Zustand antreffen, das Gesicht zu einer grässlichen Fratze verzerrt,  wissen sie, dass etwas Dunkles in dem verschlafenen Nest sein Unwesen treibt. Mit Hilfe des herbeigerufenen Sheriffs Bryce Hammond, dem genialen Wissenschaftler Timothy Flyte und einiger weiterer Leidgenossen nehmen sie den Kampf gegen das unbekannte Böse auf …

Ich muss zugeben, dass „Unheil über der Stadt“ mein erstes Buch von Koontz war, welches ich gelesen habe. Und ich war, na ja, wie soll ich sagen, weder positiv noch negativ überrascht. Das Buch hat genau das erfüllt, was ich erwartet habe: solide Spannung, literarisch nichts Hochwertiges, aber gekonnt geschrieben. Und genauso war es auch.

Das in kurzen Kapiteln geschriebene Buch unterhält gut, man fiebert mit den Protagonisten mit in ihrem verzweifelten Kampf gegen das Unheimliche. Soviel sei gesagt, ohne etwas von der Spannung zu rauben: Zombies sind dies nicht. Keine Ahnung, wie der Verlag auf die Idee kommt, das Werk im Untertitel einen „Zombie-Roman“ zu nennen. Der Verantwortliche dürfte das Buch zuvor kaum gelesen haben.

Negativ muss leider vermerkt werden, dass die Charaktere sehr häufig recht klischeebeladen dargestellt werden, z.B. als typischer hemdsärmeliger amerikanischer Sheriff, was den Lesegenuss ein wenig trübt. Im makabren Sinne gelungen ist jedoch, dass auch sympathische Personen, die einem mit der Zeit ans Herz gewachsen sind, nicht unbedingt überleben. Dieser Punkt hält die Spannung zusätzlich auf einem hohen Niveau.

Interessant ist zudem die verarbeitete Thematik der Massenverschwindungen, auf die der Autor auch in einem kurzen Nachwort eingeht. Er bezieht sich dabei auf einige reale Fälle, so z.B. auf die quasi über Nacht verwaiste Kolonie von Roanoke, das plötzliche Verschwinden sämtlicher Einwohner der Eskimo-Siedlung Anjikuni und das ungeklärte Verbleiben tausender spanischer Soldaten im Jahre 1771. Der berühmteste Vorfall dieser Art dürfte wohl das Auffinden des vollkommen verlassen im Atlantik treibenden Geisterschiffes Mary Celeste im Jahre 1872 sein.

Wer Lust verspürt, ein paar Stunden in eine durchaus gruselige Geschichte einzutauchen und mal einen Zombie-Roman ohne Zombies lesen will, dem sei dieses Werk des bekannten amerikanischen Horrorautoren an sein dunkles Herz gelegt.

Originaltitel: Phantoms
Jahr: 1986
Verlag: Heyne
Stil: Horror
Seitenzahl: 362
Note:  6/10

 

To Kill: Vultures

To Kill: Vultures CD

Heutzutage gibt es Hardcore häufig nur noch angereichert mit zahlreichen Elementen des Heavy Metal, meist aus den Bereichen des Thrash und/oder Death Metal. Das muss nicht unbedingt schlecht sein, jedoch besteht in diesem Bereich ein riesengroßes Übergewicht an mittelmäßigen und schlechten, vor allem aber gesichtslosen und austauschbaren Bands, deren Unterscheidung auch dem geübtesten Hörer zunehmend schwerfällt. Daher ist es immer schön, auf Hardcore-Combos zu stoßen, die sich ganz der traditionellen Linie verschrieben haben und, von gelegentlichen Einschüben abgesehen, auf die typischen Metalanteile in ihrem Sound verzichten, ohne dabei jedoch altbacken, sondern durchaus hart und modern zu klingen. So wie z.B. To Kill aus Rom.

Langsam, unheimlich und bedrohlich beginnt die 2006 veröffentlichte zweite Langrille der 2004 gegründeten Straight Edger, bevor sich die aufgestaute Spannung in einer Eruption entlädt. Einmal hört man das Becken schlagen, ehe Sänger Josh X Mosh seinen ersten Schrei loslässt, drei weitere Schläge, bis auch der Rest der Band (Tommi – Bass, U-go! – Gitarre, Frederico – Gitarre) miteinstimmt. „Truth“ heisst der einminütige Song, der anschließend druckvoll aus den Boxen brettert, geprägt von Joshs dominantem Organ und Drummer Jai’s tightem Schlagzeugspiel, bis auf den groovenden Endteil durchgehend in hoher Geschwindigkeit vorgetragen. Bei durchaus ordentlichem Sound geht es dann mit „Of Time and Misery“ größtenteils im Midtempo weiter, ehe zum erstenmal die für Hardcore ach so typischen Moshparts und Breakdowns ausgepackt werden, unterlegt mit den ebenfalls urtypischen Gangshouts. „Breathing“ und „Dust“ heißen die folgenden Songs, die beide ebenfalls nicht über die Zweiminutenmarke hinausreichen, ehe man sich dann mit „Jack Burton Is Not Going To Have Any Revenge“ beinahe schon im Überlängenbereich befindet (4:20 Minuten). Die darauf anschließenden „Lights Out“ (Nein, keine Coverversion der Spermbirds bzw. der Angry Samoans) und „Time To Say Goodbye“ (Nein, keine Coverversion von Andre Bocelli) huschen wieder zügig vorbei, wobei „Lights Out“ von einem stampfenden Mittel- und Endteil getragen wird, „Time To Say Goodbye“ zu Beginn hingegen von der stark verzerrten Stimme von Josh geprägt wird, ehe wieder in hardcoretypische Gefilde abgedriftet wird, d.h. schnörkellos nach vorne gespielt wird. So auch bei „Fractures And Fractions“, „Fading“ (dort lässt sich sogar ein kurzes Solo blicken) und „The Burial Of The Dead“, ehe mit dem epischen, mit über sechs Minuten längsten Stück der CD, „The Big Sleep“ die Platte beschlossen wird.

Durch die zahlreichen Tempowechsel wird einem beim Hören der Platte nie langweilig, die Italiener ziehen immer im rechten Moment die Zügel an und lassen sie dann auch wieder ein wenig locker, damit der Gaul frisch erholt erneut durchstarten kann. Groove und Tempo, mal straight nach vorne, mal mit angezogener Handbremse wechseln sich gekonnt ab. Überzeugen können auch die klug eingesetzten Singalongs und Gangshouts. Die eingestreuten Filmsamples (u.a. „The good, the bad, the ugly“) sorgen ebenfalls für angenehme Abwechslung.

Die Italiener, die im Winter 2009/2010 schon die USA bereist haben, bieten modernen Hardcore mit den typischen Zutaten, diese jedoch gekonnt vermischt, so dass daraus eine mehr als bekömmliche und zum Teil durchaus originelle und eigenständige Suppe entsteht.

„We’ll carry on!“ heisst es im ersten Song der Platte. Leider wurde dieses hehre Motto nicht verwirklicht, die Italiener lösten sich Ende 2010 nach dem Release ihres letzten Albums „Antarctica“ auf.

Jahr: 2006

Stil: Hardcore

Label: GSR Music (http://www.gsrmusic.com)

Note: 7/10

Undergång: … And You Wil Live In Terror

Undergång – And You Will Live In Terror 7″

Schon beim Anblick des schicken, im Comicstil gezeichneten Covers läuft jedem Verehrer des 80er Jahre Crossover-Thrash-Sounds das Wasser im Mund zusammen. Wird auf ebenjenem Cover der 2008 veröffentlichten 7“ „… And You Will Live In Terror“ der fünf Jahre zuvor gegründeten und aus Uppsala stammenden Schweden Undergång (bei denen u.a. Uno von In Solitude hinter dem Schlagzeug sitzt und die nicht zu verwechseln sind mit den gleichnamigen dänischen Blackmetallern und den ebenfalls dänischen Deathern) doch auch einigen der Hauptprotagonisten dieses räudigen Bastards aus Punk Rock, Hardcore, Speed und Thrash Metal gehuldigt: Suicidal Tendencies und deren weniger bekanntem Sidekick No Mercy. Des Weiterern kann man erkennen: die Schriftzüge von Septic Death, F.K.Ü. und Infest, dazu Bandanas, Zombies, Gasmasken, Blut, Skateboards und die totale Zerstörung. Liest man sich auf der Rückseite der EP dann die Songtitel inklusive Zeitangaben durch, bestätigt sich, was das Cover verspricht: 10 (!) Songs, Gesamtspielzeit 11:38 Minuten, nur ein Song länger als zwei Minuten. Dazu eine Coverversion der bereits erwähnten Powerviolence-Pioniere Infest.

Da steigt die Vorfreude naturgemäß ins Unermessliche. Also, keine Zeit mehr zu verlieren, Platte aufgelegt, Anlage bis zum Zenit aufgedreht und fertig gemacht, das Zimmer kurz und klein zu moshen.

Los geht es ganz sachte mit einem instrumentalem, horrormäßigem Akustik-Intro, bei dem knarzende Türen im Hintergrund nicht fehlen dürfen, ehe der direkt daran anschließende Track „(We Are) The Armageddon“ klar macht, wohin die Reise geht: Schnörkellose Riffs, Sägenden Gitarren, Highspeeddrumming, kraftvoller bzw. rotziger Gesang zweier Sänger inklusive übellauniger Gangshouts. Insgesamt erinnert dies alles sehr stark an ihre schwedischen Kollegen von Demon System 13. Mit nihilistischen, aber spaßigen Texten („To get rid of people everywhere, I´ve created mass destruction gear“) im Gepäck geht es über den Doppelpack „Visions of Genocide/Put To Death“ weiter, ehe man bei „Trailer Thrash“ landet, welches von doch eher ungewöhnlichen Banjotönen eingerahmt wird. Das Anfangsriff von „Re-animated Corpses“ erinnert stark an Madballs „It’s My Life“, ehe auch dort wieder die Hochgeschwindigkeitsthrashcorekeule ausgepackt wird und ohne Rücksicht auf mögliche Opfer durch die nächsten Songs geschwungen wird. Passend zum sehr (thrash-)metallischen Grundriff und den darin enthaltenen Metalsoli wird bei „The Executionerd“ noch einigen legendären Metal-Combos gehuldigt („Emos, goths, Indie kids, Cunts and foes – Slaughter; Forged in punk, conceived in thrash, Lucifer’s child – Nihilist“). Nach besagtem Infest-Cover namens „Slave“ steigt mit „You’re Fucked“ das große Finale. Gefolgt von einem stark von Slayers „Black Magic“ inspirierten Beginn folgt auch hier die totale Thrash-Attacke, abgeschlossen von einem gesprochenen Outro: „You’re fucked!“ „What?“ „You are totally fucked!“ … ehe man schweißgebadet, zu Tode erschöpft und kurz vor der Dehydration, aber mit Freudentränen die Backen runterlaufend, zum Stillstand kommt.

Insgesamt lässt sich sagen, dass die Erwartungen, welche durch die absolut gelungene Aufmachung der 7“ geweckt werden, bestimmt nicht enttäuscht werden und diese Platte wohl jedem Spaß machen wird, der auf Bands wie D.S.13, Tear It Up, Charles Bronson, Down In Flames, Scholastic Deth, M.O.T.U. und Konsorten als auch auf 80er-Jahre-Zeugs à la D.R.I., The Abused, Void oder die frühen Suicidal Tendencies steht und einfach nur Spaß hat an gutgemachter, schneller und energiegeladener Musik.

Die 7″ gibt sowohl in orangfarbenem (150 Stück) als auch in schwarzem Vinyl (350 Stück). Mosh it up!

Jahr: 2008

Stil: 80er Crossover / Thrash

Label: High Roller Records (http://www.hrrecords.de/)

Note: 8/10

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